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Berlin: 112 und keiner geht ran? So dramatisch ist der Fachkräftemangel

Die Berliner Feuerwehr hat Probleme, neue Stellen zu besetzen und junge Mitarbeiter zu halten. Die Konsequenzen können lebensbedrohlich sein.

Berlin
© IMAGO/Sabine Gudath

Sicherheit für Berlin: Polizei, Feuerwehr und Co.

Sie sollen in Berlin für Sicherheit sorgen: Polizei, Feuerwehr und Co. Bei der Berliner Polizei sind derzeit über 27.000 Bedienstete beschäftigt. Jeden Tag gehen über den Notruf 110 in der Einsatzleitzentrale 3.700 Anrufe ein. Das sind 1,34 Millionen Anrufe im Jahr.

Demografischer Wandel und sich verändernde Interessen bei der Jobwahl: Noch nie schien die Lage in vielen Branchen so angespannt wie zurzeit – auch in Berlin. Denn in manch einem Bereich findet sich niemand mehr, der den Beruf ausüben will, während anderswo Menschen keine Arbeit finden.

Gerade bei den Rettungskräften wirkt sich der Fachkräftemangel besonders eklatant aus. Denn wenn jemand den Notruf wählt, ist er auf Hilfe angewiesen. Doch dafür muss auch jemand am Telefon sitzen.

Berlin: Alle 26 Sekunden ein Notruf

Es sind dramatische Zahlen, die die Berliner Feuerwehr am Freitag (10. Mai) für das abgelaufenen Kalenderjahr 2023 veröffentlicht hat: Mehr als eine halbe Million Einsätze, 1350 Rettungswagen-Alarme am Tag und zwei Brandmeldungen pro Stunde. Das entspricht im Schnitt einem Notruf alle 26 Sekunden und einem Einsatz alle 61 Sekunden.

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Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, waren im vergangenen Jahr rund 600 Stellen bei der Berliner Feuerwehr nicht besetzt. Zudem wechselten junge Mitarbeiter nach ihrer Ausbildung oder einer kurzen Dienstzeit häufig in andere Bundesländer oder neue Jobs. Dennoch habe sich die Lage bei den Einsatzkräften 2023 etwas entspannt.

Auch Polizeigewerkschaft schlägt Alarm

Dem Bericht zufolge habe sich die Zahl der Einsätze in Berlin im Vergleich zum Vorjahr leicht reduziert. Außerdem seien die Feuerwehrleute im Schnitt ein wenig schneller vor Ort gewesen. Bei Reanimationen betrug die Eintreffzeit etwa 8,54 Minuten. Im Vorjahr hatte sie noch bei 8,8 Minuten gelegen. Auch mussten seltener Löschfahrzeuge ausfahren, um fehlende Rettungswagen zu ersetzen.



Oliver Mertens, Landesvorstand der Berliner Polizeigewerkschaft (GdP) mahnte dennoch, den Mangel an Personal nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wer angesichts dieser Zahlen ernsthaft darüber nachdenkt, hier noch im Haushalt irgendetwas wegsparen zu können, hat den Gong nicht gehört“, schrieb er in einem Statement. Es seien im Gegenteil „massive Investitionen“ in Personal und Fuhrpark nötig.