Sie steht in jedem Reiseführer und ist so etwas wie Berlins bekanntestes Freilichtmuseum: die East Side Gallery in Friedrichshain. Die Reste der Hinterlandmauer entlang der Mühlenstraße, die Ost- und Westberlin über Jahre trennten, wurden im Frühjahr 1990 von 118 Künstlern aus insgesamt 21 Ländern bemalt.
Die rund 100 Gemälde sind dank einer Restauration im Jahr 2009 auch noch heute gut erhalten. Und aktuell, an den sonnigen Wintertagen, kann es sich für Berliner und Touristen auch lohnen, einmal dort vorbeizuschlendern. Denn besser wird die Sicht in diesem Jahr nicht mehr. Wehe, wenn der Frühling kommt…
East Side Gallery in Berlin
Ein Spaziergang entlang der East Side Gallery lohnt sich grundsätzlich immer. Nicht ohne Grund steht sie in jedem Reiseführer. Besonders schön ist es natürlich, wenn wie aktuell die Sonne scheint. Wenn es wie jetzt aber die Wintersonne ist, ist es besonders schön – und das liegt einfach daran, dass es nicht die Frühlings- oder Sommersonne ist.
Mit der Sonne an sich hat das nichts zu tun, sondern eher mit der Masse an Ausflugsgruppen, die sich ab 15 Grad an den Mauerresten tummeln. Dabei sorgen sie nicht nur dafür, dass Passanten einen kleinen Slalomlauf auf dem Fußweg hinlegen müssen. Nein, die Touristinnen und Touristen behindern sich auch gegenseitig auf der Jagd nach dem besten Foto-Motiv. Ein Selfie vor dem Bruderkuss haben wohl nur die wenigsten für sich allein.
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Je wärmer es wird, umso unübersichtlicher wird es an der East Side Gallery. Die Touristengruppen werden größer, weichen teilweise auf den Radweg aus, ganz besonders direkt an der Oberbaumbrücke, wo der Radweg wenig ersichtlich direkt auf dem Fußweg verläuft und einigen Berlin-Besuchern noch nicht ganz klar ist, wo sie hinmüssen. Wie ein königinnenloser Bienenschwarm wuseln sie dort herum.
Schaulustige mit dem Auto an der Mühlenstraße
Und dann wären da ja auch noch die faulen Schaulustigen. Die reisen nämlich direkt mit dem Auto zur East Side Gallery nach Friedrichshain und stellen dort fest, dass die Parkplätze direkt vor den Mauerresten längst vergeben sind. Für ein paar schnelle Fotos wird das Auto dann schonmal für ein paar Sekunden auf dem Radweg oder auf der rechten Spur abgestellt. Dass das Kunsterlebnis dabei voll rüberkommt, darf bezweifelt werden.
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Wer sich also wirklich einmal die Kunst auf der East Side Gallery anschauen will, sollte die nächsten Tage nutzen. Denn wenn der Frühling in Berlin Einzug gehalten hat, bleiben für ein paar ruhige Minuten an der Mühlenstraße nur die frühen Morgenstunden.