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Berlin: Pickup Artists, Catcalling und Co. – „Bin nahezu jeden Tag belästigt oder angemacht worden“

Leider ist sexuelle Belästigung für viele Frauen in Berlin keine Seltenheit. Eine Betroffene erzählt jetzt unfassbares, von ihrer Zeit in der Hauptstadt.

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u00a9 IMAGO/Rolf Kremming

Was ist Catcalling?

“Na Süße, heute schon was vor?” - fast jede Frau hat Sätze dieser Art schon mal gehört. Catcalls sind übergriffige, sexuell aufgeladene Kommentare, die – in der Regel – Frauen von Männern hinterher gerufen bekommen.

Sexuelle Belästigungen, Pickup Artists und Catcalling – es gibt viele unterschiedliche Arten, in welcher Form insbesondere Frauen belästigt werden. Auf Social Media teilen viele ihre Erfahrungen und stellen fest, es handelt sich um keinen Einzelfall. Zahlreiche Frauen müssen im Alltag mit sexueller Belästigung leben. Die Geschichten sind oft unfassbar.

Auch in Berlin erleben Frauen in der Öffentlichkeit täglich Dinge, die alles andere als akzeptabel sind. Gegenüber BERLIN LIVE erklärt eine Frau, was sie 2022 während eines Praktikums in der Hauptstadt erlebte. Sie sei nahezu jeden Tag belästigt oder angemacht worden.

Praktikum in Berlin: „Schlimmsten vier Wochen meines Lebens“

Für ein Praktikum war Josie (28) im April 2022 für vier Wochen in Berlin. Wie viele andere fuhr sie täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Meist morgens gegen halb sieben und am Nachmittag zurück um 16 Uhr. Klassischer Berufsverkehr also. Doch ihre Erlebnisse erklärt sie gegenüber BERLIN LIVE so: „Ich hatte jeden Tag irgendwelche komischen Situationen.“ Welche das waren, verrät sie ebenfalls: „Entweder bin ich belästigt oder dumm angemacht worden oder ich habe Leute erlebt, die völlig ausgerastet sind, weil sie auf Drogen waren.“ Ihr bitteres Fazit zu dem Aufenthalt in Berlin: „Das waren somit die schlimmsten vier Wochen meines Lebens.“

Einmal begegnete die 28-Jährige auf dem Vorplatz am Bahnhof Tiergarten einem Pickup-Artisten. Die Bremerin war gerade dabei, umzusteigen, als ein Mann sie ansprach. Sie wäre ihm aufgefallen. Er fände sie extrem hübsch, so der Unbekannte. Dann fragte er Josie, ob sie einen Freund hätte. Zwar bejahte sie, offenbar aber kein Grund für den Mann zu gehen. Stattdessen fragt er sie, ob er sie nicht näher kennenlernen könne. Josie will mit dem Fremden nichts zu tun haben und verneint. Zum Glück ließ der Mann danach von ihr ab und verschwand. „Die ganze Art und Weise, wie er es gesagt hat, war total aufdringlich und ich habe direkt das Gefühl gehabt, dass es nichts Ehrliches ist“, so die 28-Jährige über die Begegnung. Über die Situation sagt Josie: „Im erstem Moment habe ich gedacht, dass er mich beklauen will.“ Dass es sich um einen Pickup-Artist handelte, war ihr in dem Moment nicht bewusst. Erst durch einen Instagram-Post Monate später, wurde ihr klar, wem sie begegnet war.

Berlin: Sexuelle Belästigung außer Kontrolle?

Erfahrungen mit sexueller Belästigung machte die Bremerin aber auch außerhalb von Berlin. Doch die Hauptstadt sei nochmal eine andere Hausnummer. Hier sei die Lage „außer Kontrolle“. Aufgrund von Verwandtschaft war Josie schon oft in Berlin und ihre Schlussfolgerung ist klar: „Gerade sexuelle Belästigung und Catcalling, das habe ich am meisten immer in Berlin erlebt.“ Auf der Straße weniger, aber in den öffentlichen Verkehrsmitteln sei es „schon sehr auffällig“ gewesen. Weil da „war es dann aber auch wirklich so, dass ich nahezu jeden Tag von irgendwem belästigt oder angemacht wurde.“


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Nach alldem gibt sie zu: „Ich bin mittlerweile relativ abgehärtet.“ Auf erneute sexuelle Belästigungen ist sie vorbereitet. Seit dem 13. Lebensjahr mache sie Kampfsport und fühle sich dementsprechend relativ sicher und weiß sich zu wehren. Konkret würde Josie, wenn sie wieder einmal angesprochen wird, den Täter bitten, sie in Ruhe zu lassen. Sollte dieser allerdings zu aufdringlich werden, würde sie ihr Handy zücken. Entweder würde der Täter dann gehen oder sie rufe die Polizei.


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Ihre Erlebnisse in der Hauptstadt waren auch ein Grund, warum sie nach dem Praktikum nicht in Berlin blieb. Denn „ich wäre darauf angewiesen, jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren und weiß einfach, dass mich das total belastet hätte, wenn ich jeden Tag sowas erlebt hätte“, gibt die 28-Jährige ehrlich zu.