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Berlin: Opfer fühlen sich nach Übergriffen machtlos – „Sei ein Mann“

Gewalt gegen Frauen ist omnipräsent. Doch auch Männer trifft es immer öfter. Ein Berliner Experte erklärt, wie sie damit umgehen können.

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Für viele Frauen ist es nach sexuellen Übergriffen oft schwer, Anzeige zu erstatten. Zu groß ist die Scham vor möglichen Schuldzuschreibungen frei nach dem Motto: „Warum warst du denn so angezogen?“

Männern geht es da ähnlich. Sie haben aber nicht etwa Angst, nach ihrer Kleidung gefragt zu werden, nein. Für sie ist der gesellschaftliche Druck im Vordergrund. Schließlich muss man als Mann für jede Bedrohung gewappnet sein und sich selbst jederzeit verteidigen können. Doch wie fair ist das? Und wie können Männer in solchen Momenten reagieren? Ein Experte klärt auf.

Berlin: Gesellschaft nimmt Männer nicht Ernst

„Es kommt in unserer Beratung in Kontexten von mann-männlicher Gewalt häufiger das Thema auf, Angst davor zu haben, mit dem Erlebten nicht ernst genommen oder banalisiert zu werden. Und genau das passiert auch immer noch zu häufig“ erklärt Leo Wild von der Antidiskriminierungsstelle StandUp der Schwulenberatung Berlin im Gespräch mit BERLIN LIVE.

Zwei prominente Fälle, die sich Anfang des Jahres im Berghain ereignet haben, bestätigen das.

Clubbesucher berichten von schlimmen Erlebnissen

Rückblick: Vor kurzem meldeten sich zwei Männer in einem Forum. Beide schildern dramatische Erfahrungen. Einer berichtete, dass er auf der Tanzfläche mehrmals von einem anderen Mann im Intimbereich begrapscht worden wäre. Nach eigenen Aussagen soll der Täter sich in dieser Weise an dem Abend auch an anderen vergangen haben.

Doch weder sie noch der Betroffene wendeten sich nicht an die Türsteher, aus Sorge nicht ernst genommen zu werden.

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Ein Anderer erzählte, dass er – ebenfalls im Berghain – offen homophob beleidigt wurde und keiner der Außenstehenden eingeschritten sei. Für ihn ist das ein Zeichen, dass Safe Places für queere Menschen immer weiter verschwinden.

Zahl der Übergriffe steigt

Leo Wild überrascht das nicht. Er erklärt, dass in seiner Beratungsstelle die Zahlen der gemeldeten schwulenfeindlichen Beleidigungen und Übergriffe steigen. Doch aus seiner Sicht hat die Medaille zwei Seiten. Einerseits könne das an einer Zunahme der Aggression gegenüber dieser Gruppe liegen. Andererseits aber auch daran, dass sich immer mehr queere Menschen trauen, „Gewalt gegen sich nicht mehr unerwidert hinzunehmen, sondern sich stattdessen Hilfe holen.“

Welcher Grund tatsächlich dahinter steckt, könne er nicht genau sagen, so Wild gegenüber BERLIN LIVE.


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Doch wie können Männer in solchen Situationen reagieren? Am besten sei es, sich bereits im Vorfeld mögliche Konter-Sprüche oder deeskalierende Sätze zu überlegen, um sich „weniger ohnmächtig zu fühlen.“ Gleichzeitig empfiehlt der Experte, sich in Akutsituation direkte Hilfe aus der Umgebung zu suchen. Dabei solle man am besten Menschen konkret ansprechen: „Sie in der blauen Jacke!“

Laut Wild solle aber auch der Gang zur Polizei in Betracht gezogen werden. Nur so lernen Täter, dass ihr Verhalten nicht folgenlos ist. Nur wer aus seiner Scham heraustritt, kann andere schützen.

Wenn du Opfer von sexueller Gewalt wurdest und mit jemandem darüber sprechen möchtest, gibt es verschiedene Hilfsangebote. Männer können sich unter 030 231 118 80 an die Traumambulanz St. Hedwig wenden. Frauen dagegen an das Krisen- und Beratungszentrum Lara. Es ist telefonisch unter 030 216 888 8 erreichbar.