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Brandenburg: Schon wieder Fischsterben in der Oder? „Ich hoffe immer noch“

2022 verendeten zahlreiche Fische in der Oder. Ein Experte erklärt nun, wie wahrscheinlich ein weiteres Fischsterben ist.

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u00a9 IMAGO/Christian Thiel

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Unfassbare 1.000 Tonnen Fisch verendeten allein im letzten Sommer in der Oder. Es hatte als mysteriöses Fischsterben begonnen und sich dann zu einem handfesten Skandal ausgeweitet.

Im Juli und August 2022 wurden erste tote Fische auf der polnischen Seite der Oder gefunden. Kurze Zeit später dann auch in Deutschland. Tragischerweise starben hunderttausende Tiere an einer Alge. Die Ursache: menschengemacht! Ein Gewässerökologe erklärt nun ob so etwas noch einmal passieren kann.

Kein weiteres Fischsterben in Oder?

Der Wissenschaftler Christian Wolter vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) erklärte am Mittwoch im RBB-Inforadio, die Fischbestände haben sich seit dem Massensterben 2022 noch nicht erholt, da seither nichts Wesentliches passiert sei. Doch eine erste gute Nachricht gibt es laut Wolter: „Was wir im Frühjahr beobachten konnten: Die Fische hatten dieses Jahr extrem gute Laichbedingungen und auch gute Aufwuchsbedingungen, so dass die Möglichkeit einer schnellen Erholung gegeben ist. Aber es darf eben nicht wieder passieren.“

Weiter nimmt er Stellung, ob auch in diesem Jahr ein Fischsterben drohen könnte. „Ich hoffe immer noch, dass es nicht passiert“, so der Gewässerökologe. Aber an einem Auslöser, nämlich dem hohen Salzgehalt des deutsch-polnischen Grenzflusses, habe sich nichts geändert. Bedeutet also, eine weitere Umweltkatastrophe kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Derzeit ist es nicht wahrscheinlich, treten aber zusätzliche Umstände ein, könnte es zu einem erneuten Fischsterben kommen.

Hoher Salzgehalt weiterhin ein Problem

Als Ursache für das Fischsterben 2022 gilt nicht nur das Gift der Algenart Prymnesium parvum, sondern auch Niedrigwasser, hohe Temperaturen und ein hoher Salzgehalt in der Oder. Besonders dieser stellt ein Problem dar. Denn in dessen Folge vermehrte sich das Gift der Algenart Prymnesium parvum, woran die zahlreichen Fische letztes Jahr verendeten. Woher der hohe Salzgehalt stammen könnte, dazu hat Bundesumweltministerin Steffi Lemke eine Vermutung. Sie glaubt, es stamme aus dem polnischen Bergbau.

Um die Salzkonzentration in der Oder zu senken, empfiehlt Wolter die Salzeinleitungen zu regulieren und an den Durchfluss anzupassen. Je weniger Durchfluss, desto weniger Salz solle dann auch in die Oder geleitet werden.


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Sollte Gewässerökologe Christian Wolter recht behalten, erholen sich die Fischbestände weiter und ein erneutes Massensterben ist vorerst unwahrscheinlich.