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Clubs in Berlin: Ketamin vom Arzt verschreiben lassen? DAS steckt dahinter

Wer Ketamin will, muss dafür nicht mehr unbedingt in die Clubs in Berlin. Viele Ärzte verschreiben das Medikament – unter dieser Bedingung.

© IMAGO/blickwinkel

Berlin: Die Hauptstadt der Clubs

Berlin und sein Nachtleben gehören einfach zusammen. Die zahlreichen Clubs ziehen jedes Jahr tausende von Touristen in die Hauptstadt. Damit sind sie ein nicht zu unterschützender Wirtschaftsfaktor.

Egal in welchem Club in Berlin man am Wochenende unterwegs ist, überall sieht man Menschen auf Ketamin. Die Partydroge feiert in den letzten Jahren ein wahres Hoch.

Konsumenten beschreiben bewusstseinserweiterende Erfahrungen und ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Sie brechen aus ihrem Körper aus und sehen sich und ihr Leben von oben. Es wirkt beruhigend und gleichzeitig euphorisierend.

Nun bieten auch immer mehr Arztpraxen die Droge an. Was hat das auf sich?

Ketamin ab sofort nicht mehr nur in Clubs in Berlin

Viele Studien zeigen: Ketamin hat nicht nur in der Schmerztherapie bei Pferden und Menschen eine positive Wirkung, auch bei der Psychotherapie kann es wahre Wunder bewirken.

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Im Moment wird es insbesondere bei „depressiven Störungen, Ängsten, posttraumatischen Belastungsstörungen, Zwängen, chronischen Schmerzen und Suchterkrankungen“ sowie bei der Behandlung von Long-Covid Patienten eingesetzt, heißt es in einem Bericht des „Tagesspiegels“.

Das sollten Patienten beachten

Statt den Gästen in Berliner Clubs arbeiten deshalb auch immer mehr Ärzte mit der Droge. Dabei ist der Ablauf je nach Praxis unterschiedlich.

Bei Hausarzt Dietmar Peikert dauert eine Sitzung zum Beispiel bis zu drei Stunden. „Nach einer Stunde Gespräch, Hypnose oder Körperpsychotherapie hängt der Arzt die Patienten 30 bis 50 Minuten lang an eine Ketamin-Infusion, anschließend bespricht ein Therapeut mit ihnen die gemachten Erfahrungen. Das Ganze wird sechsmal wiederholt“, heißt es beim „Tagesspiegel“.

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Doch wie genau hilft Ketamin? Peikert erklärt: „Das Ketamin regt die Zellteilung an und erhöht die Neuroplastizität im Gehirn. Es bilden sich neue Neuronenverbindungen. Vereinfacht gesagt: Vorbelastete Wege werden nicht mehr beschritten.“ Das kann so weit gehen, dass ein Patient, der jahrelang suizidal war, plötzlich nicht mal mehr erinnert, warum.

Der Erfolg der neuen Methode spricht für sich. Laut Peikert haben seine Patienten eine Erfolgsquote von 85 bis 90 Prozent. Seine Zahlen decken sich mit denen anderer Studien. Im konkreten Fall heißt das: Patienten, die teilweise jahrelang mit professioneller Hilfe versucht haben, ihre Traumata aufzuarbeiten, haben durch die Droge endlich Erfolg.

Kosten und Ablauf der Ketamin-Therapie

Egal welchen Ablauf der jeweilige Arzt vorschlägt, laut Andrea Jungaberle, Leiterin der psychiatrischen Ovid-Clinic in Friedrichshain, solle man sich grundsätzlich nur an einen Arzt wenden, der die Verabreichung des Narkotikums mit begleitenden Gesprächen kombiniert. Nur so könne das Gesehene während des Trips sinnvoll verarbeitet werden und zur Therapie beitragen.

Die Kosten für die Behandlung liegen „bei der Ovid-Clinic bei rund 5.500 Euro, bei Peikert ist es etwas günstiger.“ Leider bleiben die Patienten meist auf den Ausgaben sitzen, denn die Methodik ist keine Kassenleistung. Privatversicherte können da teilweise etwas mehr Glück haben, allerdings handelt es sich dabei immer um eine Einzelfallentscheidung.


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In Frage kommen nach dem Bericht des „Tagesspiegels“ aber grundsätzlich nur Personen, bei denen anderen Therapien erfolglos waren. Des Weiteren werden Menschen mit „akuten Psychosen, einem erhöhten Augeninnendruck oder unbehandelten Herz-Kreislauf-Problemen“ aus medizinischen Gründen nicht mit Ketamin behandelt. „Denn das Medikament erhöht kurzfristig den Blutdruck, zudem besteht die Gefahr, dass Dissoziationen akut psychotische Patienten überwältigen.“

Wer davon nicht betroffen ist und das nötige Kleingeld hat, sollte über die neue Behandlungsmethode mit Ketamin nachdenken. Vielleicht bringt sie den Erfolg, auf den manche schon Jahre warten.