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Bürgergeld-Empfänger knöpft sich bei „hart aber fair“ Politiker vor – „Katastrophe für die Menschen“

Ein Bürgergeld-Empfänger nimmt in der ARD-Talkshow „hart aber fair“ kein Blatt vor den Mund und spricht Tacheles.

Bürgergeld-Streit bei "hart aber fair" (ARD).

Das ist das Bürgergeld und so viel steht jedem zu

Das Bürgergeld ersetzt in Januar 2023 das bisherige "Hartz IV"-System in Deutschland. Wir verraten dir alles, was du über das Bürgergeld wissen musst.

„Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft“, lautete das Credo von Louis Klamroths Vorgänger Frank Plasberg bei „hart aber fair“ (ARD). Auch wenn das Verhältnis der beiden mittlerweile frostig ist, dürfte Plasberg anerkennen, dass Klamroth genau das in der Sendung zum Thema Bürgergeld am 25. März gelungen ist.

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Mit dem Bürgergeld-Empfänger Thomas Wasilewski (60) aus Mönchengladbach sitzt ein Armutsbetroffener in der Runde und verschont die anwesenden Spitzenpolitiker nicht. Während CDU-Mann Philipp Amthor sich manchmal noch deutlich zur Wehr setzt, machen Grünen-Chefin Ricarda Lang und SPD-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger vor allem betroffene Gesichter bei den Kommentaren Wasilewskis.

Bürgergeld-Bezieher: „Ich bin für den Rest meines Lebens arm“

Der Mann vom Niederrhein hat als Groß- und Außenhandelskaufmann gearbeitet, wurde dann erwerbsunfähig. Seit 12 Jahren lebt er vom Staat, bezieht Bürgergeld und engagiert sich ehrenamtlich für andere Armutsbetroffene. In der „hart aber fair“-Sendung tritt er äußerst kämpferisch auf.

Früher habe er nie gedacht, dass er selbst auf Transferleistungen angewiesen sein oder Geldsorgen haben werde. Wasilewski: „Ich hab 30 Jahre gearbeitet und habe drei Kinder großgezogen, der Älteste ist jetzt 20 Jahre alt. Ich habe alles dafür getan, dass die so gut wie möglich in diesem Land integriert sind und eines Tages auch dafür sorgen, dass ich eine vernünftige Rente kriege. Und im Grunde genommen bekomme ich gar nichts dafür. Denn ich bin für den Rest meines Lebens arm. Lebenslänglich arm.“

Politiker bei „hart aber fair“ in der Defensive: Fernab der Lebensrealität?

In einem Einspielfilm wird Wasilewski als Helfer bei einer Suppenküche gezeigt. Im Studio geht er auf die Aufnahmen ein und sofort Amthor, Lang und Rehlinger an: „Da stehen Rentner, Leute, die aufstocken, da stehen alleinerziehende Mütter, die haben nichts zu essen am Monatsende. Und sie, liebe Politiker, nennen das, ‚Wohlstandsverlust‘.“ Eine Anspielung auf ein Zitat von Christian Lindner.

Angesichts der aussichtslosen Lage dieser Menschen wirft Wasilewski den Politikern, die ihm im „hart aber fair“-Studio gegenübersitzen, eine „sehr technische Diskussion“ vor – also fernab der Lebensrealität. Er engagiere sich auch für die Tafel und wenn dort tonnenweise Lebensmittel bei Märkten abgeholt werde, dann nicht, weil die Menschen Lebensmittel retten wollen, sondern weil sie Hunger hätten. Das Bürgergeld reiche nicht aus und es sei eine „grausame Katastrophe für die Menschen, wenn sie da stehen.“

Etikettenschwindel bei Mindestlohn und Grundsicherung?

An alle Politiker gerichtet beschwert sich Wasilewski über den „Mindestlohn“, denn bei einem solchen Namen könnten Arbeitnehmer erwarten, dass der Lohn „mindestens dafür reicht, dass man davon leben kann.“ Das sei aber nicht so! „Wenn sie 40 Stunden arbeiten und können davon nicht leben, dann hat der Mindestlohn den Namen nicht verdient“, stellt Klamroths Studiogast klar. Auch die „neue Grundsicherung“, die die CDU nach einem Wahlsieg statt des Bürgergeldes einführen will, sei ein solcher Etikettenschwindel. „Davon kann sich kein Mensch was zu Essen kaufen!“


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Sowieso die CDU und Philipp Amthor – der Bürgergeld-Bezieher – nimmt sich vor allem den Oppositionspolitiker vor. „Die CDU schreibt in ihrem Programm im ersten Satz, dass sie ein christliches Menschenbild verfolgt. Der Herr, der da oben sitzt, der sortiert nicht aus. Der macht keine Auslese und sagt: du bist faul und du bist fleißig! Sondern der liebt alle seine Kinder.“ Amthor nickt, das entspricht offenbar auch seiner Gottesvorstellung. Dann aber legt Wasilewski nach: „Und Sie gehen hin und sagen: du bist faul, du musst bestraft werden!“ Amthor schüttelt energisch den Kopf.

Die CDU rede permanent über rund 13.000 Totalverweigerer im Bürgergeld-Bezug. Wasilewski selbst habe Tausende Menschen kennengelernt, die Leistungen bekommen. „Da war nie ein Einziger dabei, der zu mir gesagt hat, ich will nicht arbeiten.“ Dennoch würde die CDU-Spitze ständig über angeblich faule Schmarotzer-Arbeitslose sprechen und sie gegen die Fleißigen ausspielen wollen.