Veröffentlicht inHertha BSC

Neuer Trainer, neue Hoffnung: Stoppt Leitl Herthas Absturz?

Stefan Leitl übernimmt Hertha in der Krise. Sogar der Abstieg in die 3. Liga droht. Schon am Freitag will der neue Trainer den gefallenen Fußball-Riesen wieder aufrichten.

Hertha BSC: Pressekonferenz Leitl
An den Abstieg denkt Stefan Leitl nicht. Credit: Andreas Gora/dpa

Stefan Leitl konnte es scheinbar gar nicht abwarten. Schon 25 Minuten vor Trainingsbeginn spazierte Herthas neuer Hoffnungsträger dick eingepackt mit Mütze und Wintermantel auf den Schenckendorffplatz. Bei Minusgraden, aber strahlendem Sonnenschein ließ der 47 Jahre alte Fußball-Lehrer seine neue Heimat im Berliner Westen auf sich wirken. „Eine super intensive Einheit. Hat Spaß gemacht“, berichtete Leitl später zufrieden.

Zwei Tage nach der Freistellung von Trainer Cristian Fiél hat der gebürtige Münchner das Kommando beim taumelnden Zweitligisten übernommen. „Ich bin total überzeugt von der Mannschaft und die kriegen jetzt maximalen Support von uns. In der Mannschaft ist alles, was man braucht, um erfolgreich zu sein. Wir haben Erfahrung in der Mannschaft. Wir haben Talent in der Mannschaft“, befand Leitl nach der rund 75-minütigen Einheit. 

In der Hauptstadt will Leitl den Berliner Weg zu 100 Prozent mitgehen. Junge Talente fördern und fordern. „Wir haben einen unfassbaren Fundus an jungen Talenten“, sagte Leitl und sprach von einer schönen Herausforderung. „Ich bin zu meiner jungen Zeit auch an mentale Grenzen gestoßen. Ich glaube, das sind Erfahrungswerte, die mir im Umgang mit jungen Spielern guttun“, erzählte der ehemalige Bayern-Profi weiter.

Der gefallene Riese kämpft ums Überleben

Leitl muss sofort liefern. Schon am Freitag (18.30 Uhr/Sky) steht das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg an. Nur fünf Punkte trennen den Hauptstadt-Club vom Relegationsplatz. Noch gleicht Hertha einem gefallenen Riesen, der mit Aufstiegsambitionen in die Saison gestartet war und nun nach vier Niederlagen in Serie ums Überleben kämpft. 

Vor allem muss die Mannschaft wieder die Fans hinter sich bringen. Zuletzt flogen nicht nur böse Worte aus der Ostkurve, sondern auch Becher. Dass der Verein nun endlich die Reißleine gezogen und Fiél freigestellt hat, ist ein erster Versuch der Versöhnung. Spätestens seit der Blamage in Regensburg hatten die eigenen Anhänger lautstark einen neuen Trainer gefordert. 

Was Leitl und Fiél verbindet? Die Begeisterung für sauberen, offensiven Ballbesitzfußball. Mutig und dominant soll sein Team auftreten. In Hannover musste der 47-Jährige irgendwann von diesem Ansatz abweichen, weil die Spieler ihn nicht umsetzen konnten. Und so formte Leitl bei den Niedersachsen eine der besten Defensiven der Liga. 

Leitl will viele Gespräche führen

Trotz des Anschlusses an die Aufstiegsplätze warf Hannover seinem damaligen Übungsleiter vor, keine „echte Konstanz“ hinbekommen zu haben. Genau die wird in Berlin aber dringend benötigt. Und die Baustellen sind weitaus größer als bei 96. Hertha trifft kaum, verspielt Führungen, kassiert Gegentore durch schlampige Individualfehler, pennt bei Standards und ist das schwächste Heimteam.

Dem zweitteuersten Kader der Liga fehlt das Vertrauen in die eigene Qualität. Leitl ist auch als Motivator gefordert. Wurde er zu seinen Spielerzeiten noch als „schlampiges Genie“ betitelt, gilt er mittlerweile als akribischer und engagierter Arbeiter. Jemand, der für ruhige und detaillierte Ansprachen steht. „Wir werden viele Gespräche führen. Wir müssen ein Gespür für die Spieler bekommen“, kündigte Leitl an. 

Leitl will die Person hinter dem Fußballprofi kennenlernen. Dass der 47-Jährige äußere Einflüsse gut ausblenden kann, kann im unruhigen Hertha-Umfeld von Vorteil sein. Auch beim ersten Training war Leitl eher stiller Beobachter und ließ Co-Trainer und Ex-Herthaner Andre Mijatovic für sich sprechen. Viel Zeit bleibt dem Gespann nicht, um herauszufinden, mit welchen Spielern die Negativserie beendet werden kann.

Dieser Artikel wurde erstellt mit Material von dpa.